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Die GEWOS-Studie
(eine viel zitierte Unbekannte)

Die Erhebung der GEWOS [1] aus 1995 wurde in der im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie erarbeitet. In der GEWOS-Studie wird die Frage aufgeworfen, "ob mit einer weiteren k-Wert- Reduzierung tatsächlich in der Praxis eine parallele Reduzierung des Energieverbrauchs einhergeht" und in der publizierten Zusammenfassung ausgeführt, "daß, bezogen auf den (tatsächlichen) spezifischen Jahresbrennstoffverbrauch die Gruppe der Gebäude mit monolithischem Außenwandaufbau" (
Æ k -Wert = 0,85 W/m2 K) ,,einen geringeren durchschnittlichen Verbrauchswert aufweist als die Gebäude mit zusätzlicher Dämmung der Außenwand" (Æ k -Wert = 0,62 W/m2 K).

Die Problemanalyse behandelt den Einfluss des k-Wertes der Außenwand auf den Heizenergieverbrauch. Der Sinn einer weiteren Minderung von k-Werten, insbesondere bei Außenwänden, wird negiert. Weiterhin zeigt die Studie, dass ,,erhebliche Diskrepanzen zwischen berechneten und tatsächlichen Energieverbräuchen festgestellt wurden" und somit die rechnerisch ermittelten Energieverbräuche für die Formulierung von Anforderungen ungeeignet sind.

 

Bild aus der Studie: die Streuung des mittleren Heizenergieverbrauchs liegt ca. zwischen 90 und 180 kWh/m2a. Die Verbrauchswerte der meisten gedämmten Gebäude (rot gekennzeichnet) liegen mit ca. 220 bis 300 kWh/m2a deutlich über den Verbrauchswerten der meisten ungedämmten Gebäude mit ca. 120 bis 200 kWh/m2a (grün gekennzeichnet).

Die Gebäude mit zusätzlicher Dämmung der Außenwand haben offensichtlich einen i.M. um ca. 27% geringeren k-Wert, aber einen i.M. um ca. 60% höheren Heizenergiebedarf.

Die Ergebnisse der Studie führen die k-Wert-Theorie ad absurdum und rütteln an den Grundfesten der normierten Regelwerke. Hierzu führt die Uni Kassel aus:

"Da hiermit an den Grundlagen des energiesparenden Bauens und insbesondere an den hierfür eingesetzten Regelwerken im nationalen und internationalen Bereich, wie auch an einem Ansatz zu einer künftigen Energiesparverordnung gerüttelt wird, führte die publizierte Zusammenfassung der GEWOS-Studie zu kritischen Erwiderungen ..."

Da nicht sein kann, was nicht darf, beauftragte die GRE [2] ein Team um Hr. Prof. Gerd Hauser [3] mit einer „kritischen Erwiderung“ [4]. Hierbei wurde alles richtig gestellt, so dass die Grundfesten der künftigen Energiesparverordnung nicht mehr rüttelfähig waren. Dazu gehört u.a. als Grundfeste eine gute Berechenbarkeit der Heizenergieverbräuche.

Um dies zu belegen, wurde mit statischen Verfahren wie EPASS, dem Verfahren der europäischen Norm DIN EN 832 und der hieran orientierten DIN V 4108-6 bzw. der Wärmeschutzverordnung`95 gerechnet. Obwohl die Wissenschaftler feststellten: "Die GEWOS-Erhebung liefert grobe Daten für die Analyse von Wohngebäuden und darauf aufbauend Berechnungen." reichten diese groben Daten immerhin als „eine gute Basis, dies unter Beweis zu stellen“.

Für den Fachverband Wärmedämmverbundsysteme (FV WDV e.V.) dürfte folgende Einschätzung von Prof. Hauser ernüchternd sein: „Die Außenwandkonstruktion allein bestimmt eben nicht den Heizenergieverbrauch.“ Der FV WDV verspricht auf seiner Internetseite ahnungslosen Heizenergieverbrauchern satte 60% Energieeinsparung und mehr infolge Anbringens eines WDVS.

Der geniale Rechencoup an der Uni Kassel gelang, indem „die vorliegende Meteorologie, die gesamte wärmetauschende Hüllfläche und der Jahresnutzungsgrad des Heizsystems“ einbezogen wurden. Wie das nun aber anhand „grobe(r) Daten für die Analyse von Wohngebäuden“ möglich war, bleibt im Dunkeln. Vielleicht lässt sich mittels der vg. Stellschrauben auch mit Programmen nach DIN 4108 jedes beliebige Ergebnis hinrechnen.

Vielleicht gibt aber die Studie an sich etwas an Erhellung und Erkenntnis. Mehr als der „kritischen Erwiderung“ von Hr. Prof. Hauser sollte dem Datenmaterial schon zu entnehmen sein. Zudem gibt es eine Anzahl anderer Quellen, die die Haltlosigkeit der U-Wert-Theorie belegen.

Am Ende bleibt die Hoffnung, die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie kommt der Bitte um Übergabe einer Kopie der Studie nach. Vielleicht lässt sich dann feststellen, dass tatsächlich bei den untersuchten gedämmten Gebäuden der Jahresnutzungsgrad des Heizsystems schlechter ist als bei den nicht gedämmten Gebäuden (ebenso Dächer und Sohlen/Kellerdecken).


[1]        GEWOS GmbH, Maurienstraße 5, 22305 Hamburg, Telefon: 040 / 697 12-0, www.gewos.de 

[2]       GRE, Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung e.V., Kaiserdamm 80, D -14057 Berlin, www.gre-inform.de; „Seit 1978 vereint die Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung e.V. als gemeinnützige bundesweite Organisation zahlreiche Institutionen und Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Umweltschutz.“ 

[3]       Professor Gerd Hauser, Erster Vorsitzender der Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung e.V. begrüßt es Anfang November 2006, dass der bereits 1989 konzipierte GRE-Energiepass zukünftig als bundesweiter „Energieausweis für Gebäude“ für Neubau sowie im Bestand bei Verkauf oder Neuvermietung verbindlich eingeführt wird 

[4]       Univ.-Prof. Dr.-Ing. Gerd Hauser, Dr.-Ing. Anton Maas, Dipl.-Ing. Kirsten Höttges: "Analyse des Heizenergieverbrauchs von Mehrfamilienhäusern auf der Basis der GEWOS-Erhebung", Uni Kassel

08.11.2006
DIMaGB, Berlin

Nachtrag: Zitat

"die von der AMz beauftragte Studie zum Energieverbrauch von Mehrfamilienhäusern sollte aufzeigen, dass die alleinige Betrachtung der k- bzw. U-Werte als Anforderungsgröße für energiesparendes Bauen unzutreffend ist. Die Bewertung von WDVS im Vergleich zu monolithischen Außenwandaufbauten ohne Zusatzdämmung stand nicht im Vordergrund.

Die GEWOS-Studie ist nicht geeignet, eine Bewertung der Energieeffizienz von WDVS zu leisten. Hier sind in den letzten Jahren andere Ausarbeitungen entstanden (siehe z.B. Anlage). Die von Prof. Hauser im Auftrag der Kalksandsteinindustrie erstellte Studie "Analyse des Heizenergieverbrauchs von MFH auf Basis der GEWOS-Erhebung" stellt eine weitergehende Studie zum Einfluss der Anlageneffizienz dar, die in der GEWOS Studie zu kurz gekommen ist.

Laut Beschluss der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V. aus dem Jahre 1997 wird die GEWOS-Studie nicht mehr zitiert. Wir sehen daher keine Möglichkeit, Ihnen die mehrere hundert Seiten umfassende Original-Studie zur Verfügung zu stellen."

Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V.
13.11.2006

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