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Wie man mit Statistik Energie einspart
Wie man den Heizenergieverbrauch rechnerisch senkt

* * *

Wie man mit Statistik Energie einspart

Mit der Problematik Energieeinsparung / Energieeffizienz befassen sich die Internetseiten  www.richtigbauen.de und www.richtigsanieren.de bereits seit langem. Die hier zusammen getragenen Daten regen zum Nachdenken an, reizen aber auch zu Widerspruch und Polemik. Insbesondere die Feststellung, dass sich der Endenergieverbrauch der deutschen Haushalte seit 10 Jahren nicht nach unten verändert hat, ist manchem ein Dorn im Auge.

Insofern ist es ganz hilfreich, das behandelte Thema einmal im Zusammenhang zu betrachten.


Wirksamkeit von WDVS (Statistik)  

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:: Wirksamkeit von WDVS (Statistik) bei www.richtigbauen.de
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Zur Relation von WDVS und dem Endenergieverbrauch der Haushalte, 1990-2004

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Zur Relation von WDVS und dem Endenergieverbrauch der Haushalte, 1990-2004
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Endenergieverbrauch 2005

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Endenergieverbrauch 2005 (06.2006) bei www.richtigbauen.de
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Energieverbrauch: Entwicklungen und Kennwerte

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:: Energieverbrauch: Entwicklungen und Kennwerte (03.2006) bei www.richtigbauen.de
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Hieran wird deutlich, dass eine Betrachtung aller relevanten Kenndaten und Werte vorgenommen wurde. Dies ist sicherlich noch nicht abschließend geschehen, wird dennoch gern unterschlagen, um die Kernaussage, dass sich der Endenergieverbrauch der deutschen Haushalte seit 10 Jahren nicht nach unten verändert hat, zu relativieren und in Frage zu stellen.




Grafik zur relativen Entwicklung wichtiger Kennwerte, 1990 = 100%, aus:
:: Energieverbrauch: Entwicklungen und Kennwerte (03.2006) bei www.richtigbauen.de

     :: PEV, EEV

Der im März 2006 getroffenen Einschätzung "Wohnbevölkerung, Anzahl der Haushalte, Wohnungsbestand und Wohnfläche nehmen beständig zu. Eine Korrelation zwischen diesen Kenngrößen und dem Endenergieverbrauch der Haushalte ist mit Sicherheit nicht erkennbar, dafür dürfte die Streuung zu groß sein." ist auch nach späterer Betrachtung nichts hinzuzufügen.

Doch schauen wir weiter, die Datenreihen sind fortgeschrieben worden. Mit der Problematik der Energieeinsparung, auch im Gebäudebestand und im Neubausektor, befasst sich auch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Von dessen Internetseite [4] konnte man sich bis dato die unten abgebildete Tabelle herunterladen.



BMWi: Endenergieverbrauch nach Anwendungsbereichen, 04.2007
Durch Anklicken bekommen Sie das Bild in Originalgröße angezeigt.
Die Tabellen 5 und 7 des BMWi sind in dem Dokument enthalten:
:: Endenergieverbrauch der Haushalte in Deutschland

Hier wird ein Paradebeispiel präsentiert, indem der Endenergieverbrauch der privaten Haushalte von 1996 und 2005 verglichen wird. Angegeben werden 3.012,9 PJ (1996) zu 2.731,5 PJ (2005), das sind stolze 9,3% Verringerung! Da immer die so genannten witterungsbereinigten Werte zugrunde gelegt werden, scheint es demnach nicht am zunehmend warmen Wetter zu liegen?

Man könnte vermuten, dass diese Zahlenparade dem Zwecke dienen soll, den Milliardenaufwand bei der energetischen Sanierung zu rechtfertigen. Immerhin werden über die KfW Milliarden von Euro an Steuergeldern in die Richtung bestimmter Industriekreise gelenkt.


Die Zahlen scheinen den Bemühungen gem. Wärmeschutzverordnung (WSchV) bzw. Energieeinsparverordnung (EnEV) recht zu geben. Die Grafik scheint das beeindruckend zu belegen. Betrachtet man die Werte von 1996 bis 2005, befindet sich die Trendlinie des Endenergieverbrauchs der deutschen Haushalte geradezu auf einer Talfahrt.

Das ist doch eine beeindruckende Bilanz und die Grafik macht sich optisch gut. Dazu kommt, dass die Verbrauchsdaten von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) kommen, die als vertrauendwürdige Quelle einzustufen ist. Das sind also die Fakten.

Etwas weniger imposant fällt die Bilanz aus, wenn man eben nicht den Vergleich zum höchsten Wert des betrachteten Zeitraumes führt und wenn man die korrekten Daten benutzt.





Die Grafik zeigt dieselben Daten derselben Quelle an, nur dass der Betrachtungszeitraum bis 1990 erweitert wurde. Wenn man sich den höchsten Wert (hier: 2.890 PJ in 1996) herausgreift und mit dem Wert von 2005 vergleicht, kommt ein ganz anderes Ergebnis heraus, als wenn man den Zeitraum von 1990 bis 2005 betrachtet.

Dazu kommt noch, dass die weiter oben vom BMWi in seiner Tabelle 7 angegebene Werte 3.012,9 PJ (1996) zu 2.731,5 PJ (2005) für den Endenergieverbrauch der Haushalte entweder veraltet oder ganz einfach falsch sind. Dabei sind im BMWi die aktuellen Daten bekannt, denn in seiner Tabelle 5 werden diese Daten angegeben, die mit denen der AGEB als Quelle benannten übereinstimmen. Dies verdeutlicht die Gegenüberstellung der herausgezogenen Daten.

  1996 2005
Daten BMWi Tab.5 2.890,4 2.640,0
Daten AGEB 2.890,4 2.665,0
Daten BMWi Tab.7 3.012,9 2.731,5

Die Zusammenstellung ist selbsterklärend, so dass es hierzu keiner Erläuterungen bedarf. Die beiden Tabellen, nämlich Tabelle 5 und Tabelle 7 vom BMWi, sind in dem Dokument enthalten, welches zum Download steht:
:: Endenergieverbrauch der Haushalte in Deutschland (Tabelle, 1990-2005)

Insofern kann man sich die Aufsplittung der Werte des Endenergieverbrauchs nach Raumwärme, Strom usw. getrost sparen. Falsche Daten bleiben falsch.

Anhand der aktuellen AGEB-Daten lassen sich folgende Feststellungen treffen:

1.
der Endenergieverbrauch der deutschen Haushalte nimmt seit 15 Jahren nicht ab
2. der Stromverbrauch der deutschen Haushalte nimmt seit 15 Jahren beständig zu
3. der Anteil der Haushalte am Primärenergieverbrauch nimmt seit 15 Jahren nicht ab





Der Stromverbrauch der deutschen Haushalte nimmt seit 15 Jahren beständig zu.




Der Anteil der Haushalte am Primärenergieverbrauch nimmt seit 15 Jahren nicht ab.

Dass auch die Wohnfläche im betrachteten Zeitraum beständig zugenommen hat, ist weiter oben bereits behandelt worden. Die folgende Grafik zeigt die relevanten Kenngrößen und deren Entwicklung im selben Zeitraum.





Angesichts der dargestellten Entwicklung dürfte es schwer fallen, eine direkte Korrelation des spezifischen Endenergieverbrauchs der Haushalte zu deren Wohnflächenentwicklung zu erkennen. Ganz offensichtlich spielen noch andere Faktoren eine Rolle, wobei die Witterung aufgrund der witterungsbereinigten Umrechnung der Verbrauchsdaten als Einflussgröße nicht noch einmal in Frage kommt.

Neben der gesicherten Feststellung, dass der Endenergieverbrauch der deutschen Haushalte seit 15 Jahren nicht abnimmt, muss man aber auch konstatieren, dass der spezifische Endenergieverbrauch immerhin etwas abgenommen hat. Dabei ist es egal ob man den Wert von 2005 mit dem von 1996 oder mit dem von 1990 vergleicht: eine Verringerung gibt es.




Seit 2001 stagniert die Zunahme an Wohnfläche, bis 2000 gab es einen stetigen Anstieg.


Fragt sich nur: um wie viel ist der spezifische Endenergieverbrauch der deutschen Haushalte zurückgegangen?
Auch hierfür liefern uns die bereits bekannten Daten die Antwort.




Zusammengestellte Daten 1990 - 2005
Durch Anklicken bekommen Sie das Bild in Originalgröße angezeigt.


Folgende Kenngrößen sind hier enthalten:
- Wohnbevölkerung (Mio.)
- Anzahl der Haushalte (Mio.)
- Wohnungsbestand (Mio.)
- Wohnfläche (Mio. m2)
- EEV HH (PJ)
- Wfl./WE (m2/WE)
- EEV/Wfl. (kWh/m2)

Markant sind die Daten von 1990, 1996 und 2005, deshalb sind sie in der oberen Tabelle mit den Rohdaten rot markiert. Nun wurde in zwei Varianten folgendes gemacht: zum einen wurden die Werte von 1996 =100% gesetzt und zum anderen wurden die Werte von 1990 =100% gesetzt.

Wer sich an vorgeblichen Energiesparerfolgen berauschen möchte, nimmt den Vergleich 1996 zu 2005 und kommt auf rd. 14% verringerten spezifischen Endenergieverbrauch im Laufe von 9 Jahren.
Etwas nüchterner fällt der Vergleich 1990 zu 2005 aus: nur bescheidene 5% sind es in 15 Jahren.





Nun drängt sich geradezu die Frage auf: Wie ist es zu den 5% Verringerung beim spezifischen Endenergieverbrauch der Haushalte in 15 Jahren gekommen?

Wie bereits oben ausgeführt: die Witterung kommt aufgrund der witterungsbereinigten Umrechnung der Verbrauchsdaten als Einflussgröße nicht noch einmal in Frage, da die AGEB so genannte witterungsbereinigte Daten liefert. Wie geschieht das: man misst die Temperaturen (hier muss es wohl die "Globaltemperatur" von Deutschland sein) und rechnet anhand des Grenzwertes des Heizungsbetriebes sowie eines festgelegten Wertes für die Innenraumluft (wo wird die eigentlich gemessen?) etwas Statistik aus, das sind die so genannten Heizgradtage, z.B. HGT 19/12.

Allerdings weiß selbst der Laie, dass die Witterung aus mehr als nur der Außenlufttemperatur besteht. Jedoch lassen sich mittels der Normen die Randbedingungen beliebig hin- und wegnormieren, so dass Niederschläge und Sonneneinstrahlung für die Energiebilanz des Gebäudes nicht mehr so wichtig sind. Man erkennt bereits hier deutliche Fehlerquellen.

     :: Temperaturbereinigung

Worüber man nicht nachdenken muss, sind die gestiegenen Ölpreise. Das ist ein schmerzhafter Fakt, an dem keiner vorbeikommt. Die Gaspreise sind übrigens an den Ölpreis gekoppelt. Ob geiz geil macht, wie uns die Werbung einzureden versucht, ist nicht ganz klar. Auf jeden Fall macht Geiz geizig, das soll heißen: es liegt in der Natur des Menschen, etwas weniger auszugeben, wenn die Preise nach oben klettern.

Beim Heizöl sind die Preise nicht nur geklettert, sondern raketenartig nach oben geschossen: seit 1999 um über 44 Prozent teurer; 2004/2005 zu 2005/2006 rd. 21%. Informationen zu Energieträgern, Energieverbräuchen und Energiepreisen finden Sie bei www.richtigbauen.de.

Was ist die Folge? Es wird etwas weniger verheizt, man "dreht die Heizung runter". Bekannt ist der Daumenwert: 1 Grad weniger an Raumlufttemperatur bringt 4-6% weniger Heizenergieverbrauch. Weniger Heizenergieverbrauch bedeutet einen geringeren Endenergieverbrauch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die 5% Einsparung auf den Geiz bzw. Sparwillen der Bewohner zurückzuführen sind, ist sehr hoch. Dazu kommen diverse Fehlerquellen bei der Ermittlung der Verbrauchswerte.

     :: Fehlerquellen

Fazit scheint zu sein, dass im volkswirtschaftlichen Maßstab die milliardenschweren energetischen Sanierungsmaßnahmen effektiv nichts gebracht haben. Auch vorgeschobene Studien ändern an dieser globalen Feststellung nichts. Hier ein fehl interpretiertes Beispiel.


Deutsche geizen beim Heizen

Artikel
Deutsche geizen beim Heizen bei richtigbauen.de


Z.B. muss hierfür eine Studie von techem herhalten, über die im Juni 2006 berichtet wurde (Link zum Artikel siehe oben).
Der spezifische Heizölverbrauch in 185.000 westdeutschen Haushalten in Mehrfamilienhäusern mit Zentralheizung ist über die Jahre zurück gegangen. Fein. Über die Ursachen wird keine Aussage getroffen. Einfamilienhäuser und Gebäude mit Gasheizungen sind nicht erfasst.

Bleibt die Frage: wie repräsentativ sind diese Werte? In die Untersuchung einbezogen wurden 0,185 Mio. WE von 39,6 Mio. WE. Das entspricht 0,47% des deutschen Wohnungsbestandes. Hingegen sind die Daten der AGEB repräsentativ, denn sie erfassen alle Haushalte. Diese Daten sprechen eine klare Sprache:

I
m volkswirtschaftlichen Maßstab haben die milliardenschweren energetischen Sanierungsmaßnahmen über den Zeitraum von 1990 bis2005 effektiv nichts gebracht. Das ist in hohem Maße unwirtschaftlich und selbst bei 5% Einsparung (hier beim spezifischen Endenergieverbrauch der Haushalte) lässt sich eine akzeptable Amortisation nur schwerlich darstellen.

Zu den milliardenschweren energetischen Sanierungsmaßnahmen gehören:
- WDVS zum Dämmen der Fassaden
- Fenster: Fensteraustausch, Fenstererneuerung
- Heizungserneuerung (Wirkungsgrade über 100%)
- Heizkesselaustausch (das Alter zählt, egal wie der Wirkungsgrad ist)

Dazu kommt, dass alle neuen Gebäude nach EnEV errichtet werden, dass die Geräte und Anlagen immer effektiver und sparsamer sein sollen und dass der Mensch von natur aus sparsam - um nicht zu sagen: geizig - ist. Die Praxis ist das Maß der Dinge und Wirtschaftlichkeit ist durch das Verhältnis von Nutzen und Aufwand gekennzeichnet.

Darüber sollten wir nachdenken. Und wichtig ist die Frage: geht es darum, spezifische Kennwerte zu verbessern oder ist es nicht besser für Ökologie und Ökonomie, die Verbräuche insgesamt zu reduzieren? Klar geregelt ist zumindest, wer für all das die Zeche zahlt. U.a. hiermit befasst sich der nachfolgend verlinkte Artikel.

Gabriel: 50% sind üblich, bis zu 90% realistisch

:: Gabriel: 50% sind üblich, bis zu 90% realistisch (04.2007)

Mit Energieeffizienz im Gebäudebestand befasst sich auch das Bundesumweltministerium.
Dass eine Reduzierung der Wärmeverluste mittels WDVS um 50 Prozent üblich und eine Absenkung um bis zu 90 Prozent im Einzelfall durchaus realistisch sei, darf man guten Gewissens als Wunschdenken abtun. Immerhin ist es interessant zu beobachten, dass wir uns dem perpetuum mobile an der Hauswand wieder einen guten Schritt genähert haben. Man darf gespannt sein, wann die 100%-Einspar-Marke gerissen wird.


Quellenverzeichnis:

[1]

Auswertungstabellen zur Energiebilanz für die Bundesrepublik Deutschland 1990 bis 2006
- Berechnungen auf Basis des Wirkungsgradansatzes - Stand: Juli 2007

2. Energiegewinnung und Energieverbrauch
Endenergieverbrauch nach Anwendungsbereichen
Tabelle 2.1: Struktur des Energieverbrauchs in Deutschland nach Sektoren
Tabelle 2.8.2.1: Endenergieverbrauch der Haushalte in Deutschland
Letzte Änderung: 24.04.2007

Hrsg::
Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Verband der Elektrizitätswirtschaft - Projektgruppe Nutzenergiebilanzen

Quelle: http://www.ag-energiebilanzen.de/cms/verwaltung/files.php?path=../../daten/1186392950_91.0.124.221.xls-&name=Ausw_31072007.xls&mime=application/vnd.ms-excel

[2]

Endenergieverbrauch nach Anwendungsbereichen, Deutschland, Energiedaten
Tabelle 7
letzte Änderung: 24.04.2007

Hrsg:: Bundeswirtschaftsministerium (BMWi)

Quelle:
http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/Binaer/Energiedaten/energiegewinnung-und-energieverbrauch5-eev-nach-anwendungsbereichen,property=blob,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.xls

[3]

Struktur des Energieverbrauchs, Deutschland, Energiedaten
Tabelle 5
letzte Änderung: 13.12.2006

Hrsg:: Bundeswirtschaftsministerium (BMWi)

Quelle:
http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/Binaer/Energiedaten/energiegewinnung-und-energieverbrauch3-struktur-energieverbrauch,property=blob,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.xls

[4]

Pfad:
www.bmwi.de
→ Energie → Energiestatistiken → Energiegewinnung und Verbrauch
→ Struktur des Energieverbrauchs
→ Endenergieverbrauch nach Energieträgern
→ Endenergieverbrauch nach Anwendungsbereichen

[5]

Eigene Quellen sind bereits im Textverlinkt.
Das betrifft Seiten bei www.richtigbauen.de
und bei www.richtigsanieren.de,
die in einem neuen Fenster geöffnet werden.


Erläuterungen

EEV
Der Endenergieverbrauch gibt Auskunft über die Verwendung von Primär- und Sekundärenergieträgern in bestimmten Verbrauchergruppen, soweit sie unmittelbar der Erzeugung von Nutzenergie dienen. Energetisch und energieökonomisch handelt es sich jedoch noch nicht um die letzte Stufe der Energieverwendung. Es folgen noch die Nutzenergiestufe (z. B. Nutzung als Licht, Wärme) und die Energiedienstleistungen.
(Arbeitsgruppe Umweltökonomische Gesamtrechnungen der Länder (AG UGRdL))
:: zurück

Temperaturbereinigung
Um die Entwicklung des Energieverbrauchs unabhängig vom Einfluss der Temperaturschwankungen darstellen zu können, wurde die Zeitreihe des Primärenergieverbrauchs der Länder ab 1990 einer Temperaturbereinigung unterzogen. Im Ergebnis wird ein fiktiver Primärenergieverbrauch dargestellt, der sich ergeben hätte, wenn die jährlichen Durchschnittstemperaturen konstant dem langjährigen Mittel entsprochen hätten. Dabei wurden länderspezifische Korrekturfaktoren auf der Basis von Gradtagszahlen regionaler Wetterstationen sowie Informationen des VDEW über den Raumwärmeanteil am Nutzenergieverbrauch verschiedener Energieverbrauchergruppen in Deutschland verwendet."
(Länderarbeitskreis Energiebilanzen)
:: zurück

Substitutionsprinzip
Bei der Bewertung derjenigen Energieträger, für die es keinen einheitlichen Umrechnungsmaßstab wie den Heizwert gibt, wurde bei den deutschen Energiebilanzen bis 1995 der Substitutionsmethode gefolgt. Das betraf den Außenhandel mit Strom sowie die Stromerzeugung auf Basis von Wasserkraft, Wind und Sonnenenergie, Kernenergie und Müll.
Bei der Bewertung dieser Energieversorgungsbeiträge wurde von der methodischen Überlegung ausgegangen, daß dadurch eine entsprechende Stromerzeugung in konventionellen Wärmekraftwerken substituiert wird. Als vereinfachende Hilfsgröße für die primärenergetische Bewertung wurde der durchschnittliche spezifische Brennstoffverbrauch in konventionellen öffentlichen Wärmekraftwerken herangezogen. Die Kernenergie, die Wasserkraft usw. wurden im Rahmen des Primärenergieverbrauchs also so bewertet, als ob die jeweilige Strommenge in konventionellen Wärmekraftwerken mit dem entsprechenden Brennstoffaufwand erzeugt worden wäre.
(AGEB)
:: zurück

Wirkungsgradmethode
Die Bewertung der Stromerzeugung auf der Basis von Kernenergie, Wasser- und Windkraft sowie des Außenhandels mit Strom beruht auf der sog. Wirkungsgradmethode. Dabei werden die Stromerzeugung aus Kernenergie mit einem Wirkungsgrad von 33 vH, die übrigen genannten Energieträger sowie der Stromaußenhandel auf der Basis des Heizwertes der elektrischen Energie von 3.600 kJ/kWh, das entspricht einem Wirkungsgrad von 100 vH, bewertet. Im Vergleich zu dem früher üblichen Substitutionsansatz führt dies bei der Kernenergie zu einem höheren, bei den anderen Energieträgern zu einem niedrigeren Primärenergieverbrauch.
(AGEB)
:: zurück

Fehlerquellen, Unschärfen
Vergleicht man die Werte des Primärenergieverbrauchs im Zeitraum 1980 - 1994, stellt sich eine Abweichung von 0,1-0,9% bei den Werten nach beiden Methoden dar. In Rubrik 2 Endenergieverbrauch in den Ländern in Tabelle 2.3.4 Endenergieverbrauch der Haushalte, des Gewerbes, des Handels, der Dienstleistungen und übrigen Verbraucher seit 1990 vom Länderarbeitskreis Energiebilanzen, Stand 2007, fehlen folgende Länderdaten: Niedersachsen 1992, 1993, 1995, 1997, 1999, 2001, 2003 und Hamburg 1998-2002. Für 2004 fehlen die Daten von 4 Ländern.
:: zurück


Fakten & Grundlagen

:: Energiethemen bei www.richtigbauen.de
:: Wärmedämmung, WDVS
bei www.richtigbauen.de
:: Bauphysik bei www.richtigbauen.de
::
Dokumente im Download

Dokumente im Download

:: Endenergieverbrauch der Haushalte in Deutschland (Tabelle, 1990-2005)
:: Endenergieverbrauch der Haushalte in Deutschland (Tabelle, 1990-2005)


DIMaGB, 17.08.2007
Vorabzug, noch nicht redigiert
Änderungen und Ergänzungen vorbehalten

Querverweis:
:: Der CO2-Gebäudereport 2007 (12.2007)

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Wie man den Heizenergieverbrauch rechnerisch senkt

Unter dem Titel „Heizenergieverbrauch sinkt“ gab am 10.08.2011 die co2Online gGmbH eine beglückende Hurrameldung zum Besten: „Von 2002 bis 2010 sank der Heizenergieverbrauch von deutschen Wohngebäuden um durchschnittlich 22 Prozent. Dies ergaben Auswertungen des umfangreichen Datenbestandes von co2online.“

Durch die langjährige Energieberatung im Internet und das Erstellen von schriftlichen Heizgutachten soll co2online über eine Million Gebäudeenergiedaten verfügen, die etwa zehn Prozent der beheizten Fläche in Deutschland abdecken sollen.

Im Rahmen von „co2online Research“ würde dieser Datenbestand kontinuierlich analysiert. Angeblich werden daraufhin repräsentative (!) Aussagen über den gesamten (!) zentral beheizten Wohngebäudebestand in Deutschland veröffentlicht.

„Die Analysen zeigen zwischen 2002 und 2010 einen jährlichen Rückgang des Heizenergieverbrauchs um 2,75 Prozent. Benötigte ein Wohngebäude 2002 noch durchschnittlich 161 Kilowattstunden Heizenergie pro Quadratmeter und Jahr, waren es 2010 nur noch 126 Kilowattstunden.“ Und weiter:

„Die Ergebnisse zeigen einen positiven Trend in der Entwicklung der Energieeffizienz der Wohngebäude in Deutschland und liefern gleichzeitig den Anreiz, die heute vorhandenen Einsparpotenziale im Bereich der energetischen Gebäudesanierung verstärkt auszuschöpfen“ sagt der Geschäftsführer dieses steuergeldfinanzierten Unternehmens.

„Maßgeblich für die bisher erzielten Einsparungen sind gesetzliche Vorgaben für den energetischen Zustand von Neubauten und für Sanierungsmaßnahmen im Gebäudebestand, wie sie seit 1978 mit der ersten Wärmeschutzverordnung und später mit der EnEV eingeführt wurden“

Notwendig, um „das Tempo bei der Ausschöpfung der vorhandenen Einsparpotenziale“ zu steigern sei dabei „ein Dreiklang aus fordern, fördern und informieren, um die Bürger zu Effizienzmaßnahmen zu motivieren.“

Wer ist „co2online“? Die co2online gGmbH nennt sich Gemeinnützige Beratungsgesellschaft, eingetragen ist das Unternehmen beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg im Handelsregister unter der Nr. HRB 912 49. co2online : "co2online ist Träger der vom Bundesumweltministerium geförderten Kampagne "Klima sucht Schutz" (www.klima-sucht-schutz.de), der "Heizspiegelkampagne" (www.heizspiegel.de) und des "Energiesparclubs" (www.energiesparclub.de)."

Wenn es um Kampagnen * geht und darum, die Bürger „zu motivieren“ ist immer Vorsicht angeraten. Bekannt ist der unverbürgte Ausspruch Churchills zu gefälschten Statistiken. Also, schauen wir mal, ob die Zahlen, mit denen die co2online gGmbH jongliert, repräsentativ sind. Immerhin soll der Datenbestand „etwa zehn Prozent der beheizten Fläche in Deutschland abdecken“ und Aussagen zum gesamten zentral beheizten Wohngebäudebestand in Deutschland zulassen.
Noch sind wir hierzulande nicht gesetzlich verpflichtet, allen Zinnober zu glauben, noch sind Infragestellen, Hinterfragen und Überprüfen nicht strafbar.

* Das Wort Kampagne wurde im 17. Jahrhundert in der Bedeutung von „Feldzug“ in die deutsche Sprache übernommen. Feldzüge waren in früheren Jahrhunderten zeitlich befristete Aktionen. Der als Klimaschutzkampagne titulierte Feldzug hält bereits seit Jahren an. Wir dürfen aber sicher sein, dass auch dieser unerbittlich geführte Feldzug zeitlich befristet ist, nämlich bis a) das Klima fertig geschützt wurde oder b) die Volkswirtschaft derart klimaschützerisch ruiniert wurde, dass ganz einfach das Geld für weiteren Schutz fehlt.

Globaldaten für die gesamte Bundesrepublik und über relativ lange Zeiträume findet man in solchen Dokumenten wie "Gebäude und Wohnungen. Bestand an Wohnungen und Wohngebäuden. Abgang von Wohnungen und Wohngebäuden. Lange Reihen ab 1969 - 2009" vom Statistischen Bundesamt, den Jahresbilanzen "Energiebilanz der Bundesrepublik Deutschland 2009, 1000 t SKE" usw. und insbesondere in Zusammenfassungen wie den "Auswertungstabellen zur Energiebilanz für die Bundesrepublik Deutschland 1990 bis 2010 - Berechnungen auf Basis des Wirkungsgradansatzes - Stand: Juli 2011", im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen bearbeitet von DIW und EEFA.

Der Vorteil dieser Datenbestände: sie repräsentieren 100% der beheizten Fläche in Deutschland und es handelt sich nicht um schöngerechnete Werte wie bei Energieberatungen nach EnEV. ** Was sagen die Daten?

**  Nach EnEV wird ein so genannter „Bedarf“ ausgerechnet, mit Verbrauch hat das nichts zu tun.

• Im Zeitraum 2002 bis 2010 sank der auf die Wohnfläche bezogene Endenergieverbrauch der Haushalte (100% der beheizten Fläche in Deutschland) um 9%. Das entspricht einer Quote von 1,0% p.a.

• Im Zeitraum 1990 bis 2010 sank der auf die Wohnfläche bezogene Endenergieverbrauch der Haushalte (100% der beheizten Fläche in Deutschland) um 14%. Das entspricht einer Quote von 0,67% p.a.

• Für den Zeitraum 2002 bis 2010 hat die co2online mittels „Energieberatung im Internet und das Erstellen von schriftlichen Heizgutachten“ für einen Teilbestand (10% der beheizten Fläche in Deutschland) den auf die Wohnfläche bezogenen Heizenergieverbrauch „um durchschnittlich 22 Prozent“ sinken lassen. Das entspricht einer Quote von 2,44% p.a.

Zurück zum „Dreiklang“: das Fordern funktioniert, dafür sorgt ein gnadenloser Gesetzgeber, das Fördern hängt davon ab, ob Geld da ist (ein Rechtsanspruch besteht nicht) und das „Informieren“ erscheint angesichts solcher Zahlenspiele stark korrekturbedürftig.

Berlin, 20.08.2011
M. Bumann, DIMaGB

Anhang: Daten und Grafiken:

Jahr

1990

1991

1992

1993

1994

EEV HH [PJ]

2.383

2.516

2.436

2.617

2.558

Wfl. [Tsd m²]

2.774,3

2.804,9

2.839,7

2.880,4

2.952,9

EEV [PJ/Tsd.m² Wfl.]

0,859

0,897

0,858

0,909

0,866

Relation

116,3%

121,4%

116,1%

123,0%

117,2%

Jahr

1995

1996

1997

1998

1999

EEV HH [PJ]

2.655

2.890

2.854

2.782

2.612

Wfl. [Tsd m²]

3.005,5

3.054,3

3.106,2

3.153,8

3.201,6

EEV [PJ/Tsd.m² Wfl.]

0,883

0,946

0,919

0,882

0,816

Relation

119,6%

128,1%

124,4%

119,4%

110,4%

Jahr

2000

2001

2002

2003

2004

EEV HH [PJ]

2.584

2.822

2.689

2.750

2.634

Wfl. [Tsd m²]

3.245,5

3.280,3

3.310,2

3.339,2

3.368,9

EEV [PJ/Tsd.m² Wfl.]

0,796

0,860

0,812

0,823

0,782

Relation

107,8%

116,4%

109,9%

111,5%

105,8%

Jahr

2005

2006

2007

2008

2009

2010*

EEV HH [PJ]

2.591

2.622

2.259

2.558

2.476

2.583

Wfl. [Tsd m²]

3.394,8

3.421,4

3.443,8

3.462,3

3.479,0

3.496,4

EEV [PJ/Tsd.m² Wfl.]

0,763

0,766

0,656

0,739

0,712

0,739

Relation

103,3%

103,7%

88,8%

100,0%

96,3%

100,0%

 

Datentabelle des Endenergieverbrauchs (EEV) der Haushalte und der Wohnfläche,
1990 bis 2010, gesamte Bundesrepublik (Quelle: s.o.)

 

2002

2010*

1990

2010*

2.689

2.583

-3,9%

2.383

2.583

8,4%

3.310,2

3.496,4

5,6%

2.774,3

3.496,4

26,0%

0,812

0,739

-9,0%

0,859

0,739

-14,0%

 

Je nach Wahl der Datenbasis erhält man unterschiedliche Relationen



Endenergieverbrauch der Haushalte,
1990 bis 2010, gesamte Bundesrepublik, Grafik: DIMaGB



Endenergieverbrauch der Haushalte,
2002 bis 2010, gesamte Bundesrepublik, Grafik: DIMaGB



Wohnfläche, 1990 bis 2010, gesamte Bundesrepublik,
Grafik: DIMaGB



Wohnfläche, 2002 bis 2010, gesamte Bundesrepublik,
Grafik: DIMaGB



Endenergieverbrauch der Haushalte, bezogen auf die Wohn-
fläche, 1990 bis 2010, gesamte Bundesrepublik, Grafik: DIMaGB



Endenergieverbrauch der Haushalte, bezogen auf die Wohn-
fläche, 2002 bis 2010, gesamte Bundesrepublik, Grafik: DIMaGB



Zum Vergleich die Grafik von co2online:
Heizenergieverbrauch ausgesuchter Wohngebäude, bezogen auf
die Wohnfläche, 2002 bis 2010, 10% des Gesamtbestandes

Link-Tipp:  Das Klima-Orakel

Der Artikel als PDF zum Download.

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