Gabriel: 50% sind üblich, bis zu 90% realistisch
Anlässlich des 50. Jahrestages des Systems WDVS erschien im Heft 4 des Deutsches
IngenieurBlatt ein so genanntes DIB Special WDVS. Auf Seite 3 steht das Geleit
von Sigmar Gabriel, seines Zeichens Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit: "Wärmedämm-Verbundsysteme: Gut fürs Klima und fürs
Portemonnaie". Hier sind gar wunderliche Botschaften zu vernehmen.
Botschaft #1
"Doch der Nutzen dieses Bausystems ist auch für Nicht-Experten schnell
ersichtlich: Wer sein Haus mit WDVS saniert, kann viel Geld sparen. Eine
Reduzierung der Wärmeverluste um 50 Prozent ist üblich, eine Absenkung um bis zu
90 Prozent im Einzelfall durchaus realistisch."
Botschaft #2
"Fast 90 Prozent des Energieverbrauchs eines privaten Haushalts in Deutschland
werden für Heizung und Warmwasser verwendet – abgesehen von Benzin oder Diesel
für Fahrzeuge. Den deutlich überwiegenden Anteil macht dabei mit rund drei
Vierteln des Energieverbrauchs die Raumwärme aus, von der bisher ein Großteil
durch Wände, Fenster, Dach, Türen oder den Fußboden verschwindet."
Botschaft #3
"Im Jahr 2006 wurden 265.000 Wohnungen und Eigenheime saniert. Für gedämmte
Wände und Dächer, dichte Fenster und neue Heizungsanlagen konnten gemeinsam mit
der KfW-Förderbank 1,5 Milliarden Euro für die Verbilligung von Krediten und für
Tilgungszuschüsse zur Verfügung gestellt werden. Damit konnten Kredite von 9,4
Milliarden Euro zugesagt und insgesamt Investitionen in Höhe von 11 Milliarden
Euro ausgelöst werden."
Botschaft #4
"So konnten rund 900.000 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß vermieden werden. ... Und von
der Förderung durch das Gebäudesanierungsprogramm profitiert auch das Handwerk:
Jede investierte Milliarde Euro sichert und schafft 25.000 Arbeitsplätze."

Faksimile: Seite 3 des DIB Special WDVS
Nun kann man ja darüber philosophieren, ob ein Grußwort vom ministerialen
Kollegen für Bauen gehaltvoller gewesen wäre. Man kann auch darüber
philosophieren, ob ein Minister weiß, was ihm sein Redenschreiber
zusammenschreibt. Man kann es aber auch lassen.
Immerhin steht rechts an der Seite deutlich das Wort "MEINUNG" zu lesen. Warum
soll sich ein Bundesminister nicht auch eine eigene Meinung leisten? Wenn Herr
Gabriel etwas meint, ist das allemal unverfänglicher, als wenn Falschaussagen
als Fakten dargestellt würden.
Bei einem Quadratmeterpreis von 65 Euro aufwärts sind WDVS natürlich gut fürs
Portemonnaie. Zweckmäßigerweise kann man an dieser Stelle die Frage ausklammern,
wessen Portemonnaie gemeint ist. Das von Herstellern und Verarbeitern bestimmt -
und für die Wohnungsgesellschaft ist die 11%-Umlage nach Modernisierung ein
Goldesel, der Mieter zahlt es ja; da kann der "Klimaschutz" an der Fassade nicht
teuer genug sein.
Dass eine Reduzierung der Wärmeverluste um 50 Prozent üblich und eine Absenkung
um bis zu 90 Prozent im Einzelfall durchaus realistisch sei, darf man guten
Gewissens als Wunschdenken abtun. Immerhin ist es interessant zu beobachten,
dass wir uns dem perpetuum mobile an der Hauswand wieder einen guten Schritt
genähert haben. Man darf gespannt sein, wann die 100%-Einspar-Marke gerissen
wird.
Die Angaben zum Energieverbrauch von Heizung und Warmwasser sollten überprüft
werden. Nach Herrn Gabriels Rechnung entfallen auf die Heizung 67,5 %. Ältere
und zuverlässigere Quellen sprechen von 75-80%.
siehe hierzu:
::
Energieverbrauch
Im Jahr 2006 sollen 265.000 Wohnungen und Eigenheime saniert worden sein, was
eine Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 900.000 Tonnen bewirkt haben
soll. Und die investierten 11 Mrd. Euro müssten 275.000 Arbeitsplätze geschaffen
haben.
Der Primärenergieverbrauch nahm in Deutschland auch in 2006 zu: 14.464 PJ waren
es gegenüber 14.286 in 2005.
(in Mill. t SKE: 493,6 zu 487,5; 1 PJ (Petajoule) = 1015 Joule und 1 Mill. t SKE
entsprechen 29,308 PJ). Der Endenergieverbrauch der Haushalte geht seit 10
Jahren nicht zurück.
"Haushalte und Verkehr führen Energieverbrauch an" meldete am
23.10.2006 der
Pressedienst AGEB Nr. 06/06
und "Derzeit entfällt knapp ein Viertel des Primärenergieverbrauchs auf
Umwandlungsverluste.".
Der baugewerbliche Umsatz hat in 2006 gegenüber 2005 in den alten Bundesländern
um 7,8% zugenommen (Jan-Nov), in den neuen Bundesländern um 4,7%. Die
Beschäftigtenanzahl hat in 2006 gegenüber 2005 in den alten Bundesländern um
0,7% abgenommen (Jan-Nov), in den neuen Bundesländern um 2,4%. (Quelle: Daten
zur Baukonjunktur, Bauhauptgewerbe, aus "Bauindustrie aktuell", Heft 10/2006,
Seite 12.). Beim Bauhauptgewerbe wurden also keine Zuwächse an Arbeitsplätzen
verzeichnet, ein Abbau war festzustellen.
Da ca. 70% des WDVS-Marktes von Malerbetrieben abgedeckt werden, könnten diese
zusätzlichen 275.000 Arbeitsplätze vielleicht dort entstanden sein. Die 41.769
(2005: 41.299) Malerbetriebe in Deutschland hatten in 2006 mit 199.000
Beschäftigten 3.000 Beschäftigte mehr als in 2005. (Quelle: Hauptverband Farbe,
Gestaltung, Bautenschutz, Bundesinnungsverband des deutschen Maler- und
Lackiererhandwerks, Stand April 2007).
Fazit: im Bauhauptgewerbe ging die Zahl der Beschäftigten von 2005 zu 2006
zurück (ca. -8.300 Beschäftigte), bei den Malerbetrieben nahm sie um 3.000 zu.
Das ergibt per saldo über 5.000 Arbeitsplätze weniger und dieser Betrag liegt
deutlich unter den angegebenen 275.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen.
Wie Herr Gabriel die eingesparten 900.000 Tonnen CO2 ausgerechnet hat, wäre
interessant zu wissen. Am gestiegenen Primärenergieverbrauch wird es wohl
nicht gelegen haben. Immerhin geht es um durchschnittlich 3,4 to CO2 je
Eigenheim bzw. Wohnung.

verarbeitete WDVS in Mio. m2 (Grafik: FV WDV)

Entwicklung der Dämmstoffstärken bei WDVS (Grafik: FV WDV)

Grafik: DIMaGB, Daten: AGEB

Grafik: DIMaGB, Daten: AGEB
DIMaGB
Berlin, 30.04.2007
siehe auch:
:: Wie man mit Statistik Energie einspart
(08.2007)
:: Bis zu 100% Energiekosten sparen - es gibt immer was zu
tun (08.2007)
nach oben
Bis zu 100% Energiekosten sparen - es gibt immer was zu tun
Energiespartipps gibt die Baumarktkette Hornbach in Ihrem Werbeheftchen,
welches in Berlin verteilt wurde und bis 15.09.2007 in Berlin gültig ist (3003
0807).
Hier sehen Sie im Einzelnen die gigantischen Einsparpotenziale im und am
Gebäude.

Faksimile: Bildzitat von Seite 4
"Bis zu 40% Energiekosten sparen!
Fassade dämmen"

Faksimile: Bildzitat von Seite 6
"Dach dämmen
Bis zu 30% weniger Energiekosten."

Faksimile: Bildzitat von Seite 9
"Bis zu 20% Energiekosten sparen mit Fenstern von A.
Fenster/Türen austauschen"

Faksimile: Bildzitat von Seite 7
"Kellerdecke dämmen
mit wenig Einsatz viel sparen!
Bis zu 10% weniger Energiekosten."
Fassen wir zusammen:
| Fassade dämmen |
bis zu 40% |
| Dach dämmen |
bis zu 30% |
| Fenster/Türen austauschen |
bis zu 20% |
| Kellerdecke dämmen |
bis zu 10% |
| insgesamt |
bis zu 100% |
Nun wissen Sie, wie man bis zu 100% Energiekosten sparen kann.
DIMaGB
21.08.2007
siehe auch:
:: Wie man mit Statistik Energie einspart
(08.2007)
nach oben
Zur Relation von WDVS und dem Endenergieverbrauch der Haushalte,
1990-2004
|
Jahr |
WDVS |
W. kum. |
EEV HH |
|
1990 |
14,50 |
169,00 |
2383 |
|
1991 |
20,50 |
189,50 |
2516 |
|
1992 |
25,80 |
215,30 |
2436 |
|
1993 |
29,60 |
244,90 |
2617 |
|
1994 |
38,30 |
283,20 |
2558 |
|
1995 |
42,80 |
326,00 |
2655 |
|
1996 |
46,10 |
372,10 |
2890 |
|
1997 |
46,10 |
418,20 |
2854 |
|
1998 |
42,40 |
460,60 |
2782 |
|
1999 |
43,00 |
503,60 |
2613 |
|
2000 |
38,50 |
542,10 |
2584 |
|
2001 |
31,90 |
574,00 |
2822 |
|
2002 |
30,80 |
604,80 |
2690 |
|
2003 |
30,60 |
635,40 |
2792 |
|
2004 |
32,00 |
667,40 |
2712 |
Datentabelle
Legende:
WDVS: verarbeitete Fassadendämmung in Mio. m², Quelle: FV WDV
W. kum:: verarbeitete Mio. m² WDVS p.a. (Wärmedämmverbundsysteme)
kumulativ
PEV HH: Endenergieverbrauch der Haushalte in PJ, Quelle: AG
Energiebilanzen

Grafik 1: verarbeitete Mio. m² WDVS p.a. kumulativ und
Primärenergieverbrauch der Haushalte
Legende: WDVS kum:: x10 Mio. m², EEV HH: x100 PJ (Peta Joule)

Grafik 2: prozentuale Entwicklung der 3 Kenngrößen aus der Datentabelle,
1990 = 100%
© Grafiken: DIMaGB
Verwendung mit Quellenangabe und Verlinkung bzw. Nennung der URL gestattet
Ergänzend sei bemerkt, dass hier nur die WDVS in Relation gesetzt wurden.
Das sind aber nicht die einzigen Maßnahmen zur energetischen Sanierung und
zum Energie einsparen. Der guten Ordnung müsste man die zumindest mit
aufzählen, da viele Maßnahmen im Paket gefördert und durchgeführt wurden
und werden:
- Heizungserneuerungen (Kesseltausch, Wirkungsgrade jenseits der 100%)
- Fensteraustausch
- Lüftungsanlagen mit WRG
- Heizungsmodernisierung mit Einzelraumsteuerung
Dazu kommen die immer effizienteren und sparsameren Geräte in den
haushalten usw. usf.
In der Medizin gibt es den Begriff Rückschlag (engl. rebound) und er
bezeichnet das rasche, verstärkte Wiederauftreten einer behandelten
Erkrankung. Ähnlich scheint es in der Wirtschaft bzw. Gesellschaft zu
gehen. Das Lexikon der Umweltdatenbank wartet mit einer interessanten
Erklärung auf, die schon gerne von Dritten aufgegriffen wurde:
"Der Rebound-Effekt besagt, dass Einsparungen, die z.B. durch effizientere
Technologien entstehen, durch vermehrtere Nutzung und Konsum stets
überkompensiert werden. So ist durch effizientere Ressourcennutzung bisher
noch selten eine Umweltentlastung entstanden. Vielmehr wurden durch die
effektivere Nutzung Produkte und Serviceleistungen erst zu günstigen
Preisen möglich, was die Konsumspirale weiter beschleunigt hat. Jede neue
Technik hat also letztlich nicht weniger, sondern mehr Ressourcen in noch
kürzerer Zeit umgesetzt und eine Überkompensation des Einspareffektes
bewirkt. Einen wirklichen Ausstieg aus diese Bumerang-Effekt scheint also
nicht das Effizienz-Prinzip, sondern wohl nur das Suffizienz-Prinzip zu
bieten."
Nun ist alles klar? Das Suffizienz-Prinzip erklärt uns die Umweltdatenbank
so: "Neue Form der Bedürfnisbefriedigung, Genügsamkeit. Suffizienz
bedeutet, weniger anspruchsvolle oder aufwändige Wirtschafts- und
Lebensstile zu entwickeln. Dies setzt einen Wertewandel und neue
Rahmenbedingungen voraus, als deren Ergebnis Bevölkerungsgruppen oder auch
die Gesellschaft als Ganzes aus einem geringeren oder gleichbleibenden
materiellen Wohlstand einen höheren Nutzen ziehen."
Vielleicht sollten wir uns im Winter ein Bärenfell umhängen, wenn wir bei
genügsamen 12° C im Wohnzimmer sitzen - dann wird der Endenergieverbrauch
der Haushalte runter gehen und der Siegeszug der WDVS wird Einzug halten.
Weniger ist eben mehr - weniger Raumtemperatur bedeutet mehr Einsparung.
DIMaGB, 28.03.2006
Querverweise
:: Wärmedämmung, Wärmeisolierung, Wärmedämmverbundsysteme, WDVS
Vollwärmeschutz, Thermohaut, Außendämmung, Fassadendämmung (bei
richtigsanieren.de)
::
Wärmedämmung, Wärmeisolierung, Wärmedämmverbundsysteme, WDVS
Vollwärmeschutz, Thermohaut, Außendämmung, Fassadendämmung (bei
richtigbauen.de)
:: Kosten von WDVS und TWD
(bei bauko.biz)
::
Kosten von
WDVS-Sanierungen (01.2006)
:: Calculus: überschlägige Bestimmung der
Wirtschaftlichkeit
(bei bauko.biz)
Nachtrag
"Nach Auskunft des Fachverbandes Wärmedämm-Verbundsysteme war es seit 1973
möglich, allein durch eine bessere Wärmedämmung der bundesdeutschen
Gebäude ein Energieäquivalent von über 19 Milliarden Litern Heizöl *
einzusparen. Damit sind diese seit 40 Jahren in der Praxis bewährten
Werkstoffsysteme auch ökologisch sinnvoll, weil sie zur Entlastung der
Umwelt Jahr für Jahr aufs neue beitragen."
aus: "Wärmedämmung ist ökologisch sinnvoll "
Pressemitteilung des FV WDV e.V.
* das entspricht bei einem Heizwert von 10 kWh/l: 190.000.000.000 = 190
Mrd. kWh
Nachtrag 2
siehe auch:
:: Wie man mit Statistik Energie einspart
(08.2007)
nach oben
Sanierungspotenziale im Altbau werden überschätzt
Anstelle von umfangreichen Sanierungen ist ein intelligentes
Energiedatenmanagement die deutlich kostengünstigere Alternative zur
nachhaltigen Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden.
Essen, 21. September 2010. Ein zentrales Element der
Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) und des neuen Energiekonzeptes der
Bundesregierung ist die deutliche Reduktion des Energiebedarfs von
Wohnimmobilien. Eine Sanierung ist dazu nicht immer die sinnvollste
Lösung, zumal dabei die Einsparpotenziale erheblich überschätzt werden.
Zu diesen Ergebnissen kommt das Institut für Wirtschaftsforschung Halle
(IWH) mit Hilfe der Energiedaten von ista, dem weltweit führenden
Unternehmen für die verbrauchsgerechte Erfassung und Abrechnung von
Energie, Wasser und Hausnebenkosten. Neben anderen Maßnahmen liegt auch
im individuellen Verhalten der Verbraucher ein Einsparpotential, sofern
hinreichende Transparenz über die jeweiligen Energiekosten besteht.
Die Ergebnisse der Studie basieren auf einem umfangreichen Datensatz aus
der Energieausweisdatenbank der ista Deutschland GmbH. Als Grundlage
dienten circa 200.000 Gebäude in Deutschland, einschließlich der
Informationen über den Stand der Sanierung der jeweiligen Gebäude. Die
Auswertung der Daten zeigt, dass Wohngebäude mittlerer Größe, die um die
Jahrhundertwende erbaut wurden (1900-1918), aus energetischer Sicht
vergleichsweise gute Bestandseigenschaften aufweisen. Das liegt unter
anderem an den starken Außenwänden aus Vollziegel, die im Vergleich mit
anderen Gebäudetypen weniger Wärme entweichen lassen. Eine Sanierung
würde hier eine Senkung des Heizenergiebedarfs von durchschnittlich
zuvor rund 141 auf 126 Kilowattstunden bewirken. Der Energiekennwert
verändert sich dabei lediglich um 10 Prozent. Die Kosten der Sanierung
sind hier vergleichsweise hoch, da beispielsweise die Außenfassaden
häufig mit wertvollen Ornamenten gestaltet sind. Im Gegensatz dazu
werden durch die Sanierung von Bauten der späten 1950er und 1960er Jahre
wesentlich größere Energieeinsparungen erreicht: Die Sanierungsmaßnahmen
sind sehr viel günstiger und der Energiekennwert sinkt um
durchschnittlich 27 Prozent, wie die Daten belegen. Das Baujahr und die
Gebäudesubstanz spielen somit eine wichtige Rolle bei der Frage, ob eine
Sanierung sinnvoll ist. Diese Punkte werden bei der
Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) allerdings nicht ausreichend
berücksichtigt. „Die spezifischen Eigenschaften der Immobilien sollten
sich auch in den Vorgaben und der Förderpolitik niederschlagen. Nur so
lassen sich Investitionsanreize für die Immobilieneigentümer setzen“, so
Professor Martin T.W. Rosenfeld, Leiter der Abteilung Stadtökonomik am
IWH.
Anstelle von kostenaufwendigen Sanierungen sind somit alternative
Lösungen im Hinblick auf die ambitionierten Klimaziele der
Bundesregierung vonnöten. Die Akteure in Politik, Wissenschaft und
Immobilienwirtschaft sind sich zunehmend einig, dass unter
Kosten-Nutzen-Aspekten im individuellen Verbrauchsverhalten das größte
Potenzial für Einsparungen liegt. Dabei ist der Einsatz moderner Mess-
und Erfassungstechnik zur energieartenübergreifenden (d.h. Wärme, Wasser
und Strom) Auslesung und Visualisierung von Verbrauchsdaten
Voraussetzung.
Das ista-Energiedatenmanagement (EDM) ist damit ein wichtiger Baustein
zu einer nachhaltigen Erhöhung der Energieeffizienz. Die Mieter werden
über verschiedene Medien wie z.B. einem Web-Portal über ihre
Energieverbräuche regelmäßig informiert, damit sie in der Lage sind ihr
Verbrauchsverhalten anzupassen. Pilotprojekte von ista haben gezeigt,
dass durch das ista-EDM Mieter ihren Energieverbrauch für Raumwärme und
Warmwasser durchschnittlich um fast 20 Prozent reduzieren konnten. Die
Ergebnisse zeigen, dass die höhere Transparenz und die zeitnahe
Bereitstellung der Energieverbräuche einen erheblichen Beitrag zur
Verbrauchs- und Kostenkontrolle leisten und vom Mieter tatsächlich
genutzt werden. „Das Energieeinsparpotenzial, das hier schlummert, ist
enorm. Mit unserem EDM bieten wir eine kostengünstige Maßnahme zur
Steigerung der Energieeffizienz und gelten hier als Vorreiter in der
Branche“, sagt Peter Ruwe, Vertriebsgeschäftsführer (CSO) bei ista
Deutschland.
Die Kooperation von ista Deutschland und dem IWH bei der Auswertung von
Energiekennwerten besteht seit 2 Jahren. Jährlich werden die Ergebnisse
des aktualisierten ista-IWH-Energieeffizienzindex präsentiert, der
regionalisiert Auskunft über den durchschnittlichen Energieverbrauch von
Mehrfamilienhäusern liefert.
Die vollständige Studie können Sie hier downloaden.
http://www.ista.de/fileadmin/media_ista/germany_de/presse/Fachpresse/09-2010_Wirtschaft_im_Wandel_komplette_Studie.pdf
(Quelle: Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Michelsen, C.;
Müller-Michelsen, S.: Energieeffizienz im Altbau: Werden die
Sanierungspotenziale überschätzt? Ergebnisse auf Grundlage des ista-IWH-Energieeffizienzindex,
in: Wirtschaft im Wandel 9/2010, S. 447-455)
ista Pressemitteilung
21.09.2010

Abbildung:
Medianenergiekennwerte nach Gebäudealter und Sanierungsstand
- 1900 bis 2006; kWh/m2 Gebäudenutzfläche -
Quelle: Darstellung des IWH auf Grundlage der ista-Energieausweis-Datenbank.
Energieeffizienz im Altbau: Werden die Sanierungspotenziale
überschätzt?
Ergebnisse auf Grundlage des ista-IWH-Energieeffizienzindex
Die Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) und das neue Energiekonzept der
Bundesregierung fordern eine deutliche Reduktion des Energiebedarfs bei
Sanierungen bzw. beim Neubau von Wohnimmobilien. Allerdings
unterscheiden diese Vorgaben nicht nach Alter und Art einer Immobilie
und berücksichtigen auch nicht die Marktbedingungen, unter denen gebaut
oder saniert wird. Eine neue Studie des IWH und der ista Deutschland
GmbH zeigt auf Grundlage eines umfangreichen Datensatzes von rund 200
000 Gebäuden, dass diese Vorgaben der Situation nur bedingt gerecht
werden: Erstens ist der Energieverbrauch unsanierter Gebäude weniger
hoch als angenommen. Zweitens ist das technisch machbare
Sanierungsniveau nicht das ökonomisch sinnvolle. Und drittens ist der
Sanierungsaufwand abhängig davon, welches Alter und welchen Baustil ein
Gebäude hat.
Die Daten zeigen, dass die Energiekennwerte von Mehrfamilienhäusern
abhängig vom Jahr ihrer Errichtung sowohl im sanierten als auch im
unsanierten Zustand deutlich variieren. Eine bautechnische und
architektonische Betrachtung legt die Vermutung nahe, dass
unterschiedliche Sanierungskostenverläufe und die Bestandseigenschaften
des Altbaus zu den beobachteten Differenzen beitragen. So wurde
beispielsweise berechnet, dass 1900 bis 1918 errichtete
Gründerzeitbauten mittlerer Größe (7-12 Wohneinheiten) im unsanierten
Zustand einen Heizenergiebedarf von rund 141 Kilowattstunden je
Quadratmeter pro Jahr aufweisen. Nach einer Sanierung liegt der mittlere
Energiekennwert bei rund 126 Kilowattstunden und damit lediglich rund
10% niedriger. Weitaus größere Einsparungen werden hingegen in Bauten
der späten 1950er und 1960er Jahre realisiert. Hier beträgt die
Differenz rund 27% bei Gebäuden mittlerer Größe.
Im Ergebnis sprechen die hier präsentierten Zahlen für eine
differenziertere Strategie, die sowohl die Belange der
Wirtschaftlichkeit von Sanierungen als auch die Belange des
Klimaschutzes und Städtebaus berücksichtigt. Konkret bedeutet dies: Die
rechtlichen Vorgaben und die Förderpolitik sollten die spezifischen
Eigenschaften von Immobilien berücksichtigen, um Investitionsanreize
auch tatsächlich zu setzen. Eine pauschale Sanierungspflicht, wie sie im
Energiekonzept der Bundesregierung vorgeschlagen ist, wird diesen
Kriterien nicht gerecht.
Die Ergebnisse wurden auf Grundlage der Energieausweis-Datenbank des
Energiedienstleisters ista Deutschland GmbH berechnet. Der Datensatz
umfasst verbrauchsbasierte Energieausweise von circa 200 000 Gebäuden in
Deutschland. Zudem enthält er Informationen über den Stand der Sanierung
der jeweiligen Gebäude. Die in der Studie berechneten Zahlen beziehen
sich auf den Mehrfamilienhausbestand (mehr als 2 Wohnungen).
IWH-Pressemitteilung 52/2010
Halle (Saale), den 21. September 2010
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